Gezeichnete Wolken und Schiff

Jörg Decker, Jan Mas, Nino Flämig, Sandro Herdt

(Fotos: Josephine Leonhardt / Zeichnung: JM)

Biografie

Sommer 1999, eigentlich viel zu jung zum Rauchen, wurde der Proberaum und dessen vernebelte Luft mit heruntergekommenem Equipment beschallt. Klang bestimmt scheiße - wir fanden es die Welt bewegend! Ich möchte den Geruch im Flur davor nicht beschreiben — eine Mischung aus allen Gerüchen eines Jugendklubs. Als wir damals auf die Bühne mussten, war unsere Musik mehr roh als ausgefeilt. Aufregende Jugendzeit. Wir hießen René Szatmari, Thomas Meier, René Schulze, Tony Hartwig und Jan Hößler.

2000 entstand unsere erste EP mit Namen „in our world“ — aufgenommen von Gerit Hecht. Nach ein paar ersten Konzerten zerbricht in den nächsten 8 Jahreszeiten das Musiker-Konstrukt.

Im Winter 2001/2002 wollten alle zu einem Konzert einer befreundeten Band. Alle trafen sich in der Stadt und Autos wurden mit Leuten befüllt. So schwang das Schicksal Jans Hintern in Sandros Auto. Schnee und Kälte blieben Draußen. 2002 waren es neu zusammengefunden Sandro Herdt, René Szatmari und Jan, die zu dritt weiter machten und Anfang 2004 die EP „staircase“ in einem lokalen Studio aufnahmen. Wege führten wieder zusammen als nach einem Konzert mit Gerit Hecht — als zufälliger Soundmann des Festivals — erst seine Musik dann die Unsere gemeinsam erhört wurde. Gerit nahm 2006 das Album „Plastic Pilots“ auf und beteiligte sich pianistisch an einigen Songs. Von Gerit Hecht war es nicht weit zu Erik Hecht — oder geläufiger „Eric Fish“ — der uns ebenfalls seine Stimme lieh. Nun nicht mehr nur zu dritt sondern mit Gerit am Piano wurde es musikalisch ruhiger. Konzerte in zurückgelehnter Lautheit und Schwere — dem Publikum sehr naher Spielweise überzeugten durch diese akustische Musik.

Das stromgitarren-lastige letzte Album wandelt sich 2008 / 2009 in ein ruhiges, sehr Bedachtes. „Slow Train“ wurde für die nächsten Jahre musikalische Grundlage für Konzerte. Ich erinnere mich an wunderschöne Konzerte zum Beispiel in der Kulturfabrik in Berlin, im F-Haus in Jena, im Rittergut Positz und natürlich im Kabarettkeller in Chemnitz wo Zuhörer Ihrer Aufgabe gerecht wurden und zuhörten. Das gab uns Musikern viel zurück. Im Song „what is it worth“ sangen Rainer Michalek und Jan über wirklich Wichtiges: „Mostly you don't see what it is worth until it is lost.“ Ich würde gern nie wertvolle Dinge verlieren. „The death of a friend, the loss of your brother or a fading mem'ry is real hurt.“

Wir schleppen „Nummern“ an. Gemeint sind neue Song-Ideen. Eine davon ist „wieso sitzen Sie da, wenn sie im Stande sind zu gehen?“. Eric wurde auch für dieses Album gefragt, ob er mitmachen möchte – dieser Song wurde es. Gesänge und Gitarren wurden in Erics Studio nahe Berlin an wunderschönen Seen und viel Natur aufgenommen. Es ist sehr wirkungsvoll, wenn man sich so sehr auf eine Sache konzentrieren kann.

Ein lachendes und ein weinendes Auge. René, der 1999 mit allem begann, beendete seine Zeit bei The Villains und an seine Stelle trat Nino Flämig – ein ebenso guter Trommler aus unserem Kreis. Mit ihm gingen wir neue Songs und Konzerte an.

Ich will nichts beschönigen – ich bin kein Politiker. Zu der Zeit sind Konflikte entstanden die wir heute als sinnlos einstufen. Man ist zusammengerauscht und man merkt oft erst mit Abstand, dass es das nicht wert war darüber zu streiten. Gut, dass man nur schlauer wird und sich heute wieder gut versteht.

„Bannend rein“ sollten nicht nur die nächsten Songs werden sonder auch die nächste EP betiteln. Wir wollten 2010 eine Platte produzieren, die direkt vom Musiker zum Hörer gelangt. Nur über unsere Website, weit entfernt von musikalischen Industrien, konnte die EP bezogen werden. So stellen wir uns den Musikvertrieb zukünftig vor — als einfacher und direkter Weg ohne Abzweigungen.

Leipzig, Berlin und Hamburg. In den beiden Jahren 10/11 fanden ebenfalls großartige Konzerte unter anderem in diesen Städten statt. Neue Lieder lagen in Köpfen bereit um in Hände und Instrumente zu gelangen doch nun macht sich fehlende Zeit bemerkbar.

So fand am 12. Juni 2012 wieder das vorerst letzte The Villains -Konzert statt. Im August entschied sich Gerit Hecht sich mehr seiner neuen Leidenschaft Handwerk, Holz und der damit verbundenen Arbeit zu widmen. Gerit sagte „auf Wiedersehen“ und Sandro Herdt, Nino Flämig und Jan legten fest, das Villains-Projekt nicht sterben zu lassen. Dafür ist es zu wertvoll.

Ein neuer Klavierbediener musste her. In der Zwischenzeit konnte Jan Songs nicht in seinem Kopf behalten, räumte diesen auf und bannte Liedgut auf ein Solo-Album namens „Erdendrinks“, was 2013 veröffentlicht wurde.

Es hat etwas gedauert aber dann fanden Wege zusammen. Im Herbst 2013 trafen wir uns mit Jörg Decker, der sich Musik machen so vorstellt, wie wir das tun.

Heute können wir immer noch nicht genug bekommen von den Klängen, die da irgendwie aus den Händen durch Geräte den Weg in unsere Ohren finden. Ja, was man einmal hat, will man nicht mehr hergeben. Musik bewegt uns noch genau so wie vor 15 Jahren.

gezeichnete landschaft